Der Reiz des Trivialen: Künstler, Intellektuelle und die by Thomas Hecken (auth.), Thomas Hecken (eds.)

By Thomas Hecken (auth.), Thomas Hecken (eds.)

Schon einmal, Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre, gab es in den Lite­ raturwissenschaften Stimmen, die eine objektive, nicht wertende Betrachtung der Trivialliteratur einklagten. Es blieb bei der Forderung. Kaum jemand interessierte sich dafür, streng sachlich oder mit positivem Unterton über Lore-Romane zu schreiben, wenn guy doch über Musils ,,Mann ohne Eigenschaften" vielleicht sogar persönliche Betrachtungen anstellen konnte. Den Antrieb zur Beschäftigung mit den Produkten der Unterhaltungsindustrie bildete zwar die Absicht, gegen ein elitäres Bildungsverständnis und jene ästhetischen Theorien anzugehen, die zur schönen Literatur einfach eine allein vom klassischen Werturteil diktierte Auswahl rechneten; ein gesteigertes Interesse im Sinne der Literaturkritik, gar eine ausge­ sprochene Neigung zu den Gegenständen der Untersuchung, dürfte guy aber auch in diesen Untersuchungen wohl vergeblich suchen. Mittlerweile, zwanzig Jahre später, ist es dagegen gerade unter jüngeren Intellektuellen in höherem Maße üb­ lich, populäre Filme, Stars der Popmusik, Rezeptionsweisen von Femsehserien zum Ausgangspunkt nicht nur grundsätzlicher Überlegungen zu machen. Allerdings fmdet auch hier eine Beschränkung auf die bevorzugten Medien der Popkultur statt; selbst Bestseller scheinen nicht vom Ruch der alten, zeitkonsumie­ renden Lektüreform des Buches befreit. Intellektuell wird dadurch die Aussage und die Aussageweise von Pop (der schnelle, direkte sinnliche Reiz, der optische, rhythmische Effekt) noch einmal übersteigert -dies ist zugleich der Gegenstand des vorliegenden Bandes. Bezeichnenderweise warfare es allein die Bildende Kunst, die dank der Zitierung und Verfremdung von Gebrauchsgegenständen wie von Signets der populären Kultur einer intellektuellen Nobilitierung trivialer Effekte im Zeichen der Boheme, lange vorgearbeitet hat.

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V. Renate Glaser und M. Luserke, Opladen 1996. Maier, Wolfgang, Die Heimat der Fakten, in: Trivialliteratur, hrsg. v. Gerhard Schmidt-Henkel, Horst Enders, Friedrich Knilli und W. Maier, Berlin 1964. , Understanding Media: The Extension of Man, London und New York 1987. Meltzer, Richard, The Aesthetics ofRock, New York 1987. Meltzer, Richard, Gulcher: Post-Rock Cultural Pluralism in America (1649 - 1980), San Francisco 1972. , Musical Remarks, in: enc/itic, Vol. 9, Nos. 1 - 2, o. J. , Werke in sechs Bänden, Dritter Band, München, Wien 1980.

48 Thomas Hecken Nilpferd des höllischen Urwalds: - Spuren in eine unbekannte Stadt - Situationisten, Gruppe SPUR, Kommune I, im Auftrag des Werkbund-Archivs hrsg. v. Wolfgang Dreßen, Dieter Kunzelmann und Eckhard Siepmann, Gießen 1991. Nusser, Peter, Romane für die Unterschicht: Groschenhefte und ihre Leser, Stuttgart 1973. Nusser, Peter, Trivialliteratur, Stuttgart 1991. Paglia, Camille, Sex:ual Personae: Art and Decadence from Nefertiti to Emily Dickenson, London und New Haven 1990. Probyn, Elspeth, Sexing the Self: Gendered Positions in Cultural Studies, London und New York 1993.

Sonntag 16 Uhr 05. Unterhaltung und Langeweile Das Zufallsergebnis des Umherschaltens ist natürlich so zufällig nicht; je nach der Frequenz des Tastendrucks werden die Ausschnitte länger oder kürzer; ein Handlungselement fügt sich ans andere oder muß sich als isolierter Effekt verbrauchen. Man weiß nicht so recht, ob die Entscheidung, einen größeren zusammenhängenden Ausschnitt anzuschauen, für oder gegen das eingegrenzte Stück spricht. In der mehr oder minder willkürlichen Zusammenstellung eines Fernsehtages erscheint einem die abgeschlossene Geschichte, der entwickelte Gedanke fast immer trivialer als der momentane Reiz, der sich wenigstens vordergründig gegen den Zwang zur Sinntotalität sperrt.

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